Abgeschickt von Michael Ruße am 13 Juli, 2001 um 04:39:03
Da mehrere Leute öffters nachfragen und ich nicht jedesmal ange E-Mails abschicken möchte, ich auch nicht jeden Tag ins Forum schaue und auch nicht jedesmal dabei nach unten scrolle,
stelle ich diesen Beitrag nun allen den er interessiert hinein.
Ich möchte auf der einen Seite nicht als Besserwisser oder gar als Schlaumeier darstehen, obwohl mir das auch gleich sein kann, auf der anderen Seite gibt es aber Leute, die dieses Wissen nicht oder nur teilweise haben. Und die will ich erreichen. Andere haben gerade in diesem Bereich Probleme. Schlechter Empfang,
Störeinfälle, und und und. Ich möchte daher diesen Beitrag als Tip verstanden wissen. Da er nun lang ist: am besten Downloaden und Offline lesen. Dieser Beitrag hat auch was mit FMS 32 zu tun. Schließlich ist das Programm, neben anderen Dingen, auch auf einen guten Empfang angewiesen.
Zum Kabel:
Wenn es bei der Verlegung des Antennenkabels keine andere Alternative gibt als das RG 58/U, dann solte man das teuerste besorgen was man finden kann. Die Abschirmung beim RG 58/U ist erstens vom Material her dünner als wie vom RG 213/U oder RG 214/U, Aircell 7, etc. und zweitens ist sie nicht so eng verflochten worden. Oft besteht das Material der Abschirmung
auch aus einem vernickelten Material. Kupfer wäre auf jeden Fall zu bevorzugen. Wenn man mal verschiedene Kabel in die Hand nimmt, sie fühlt, und sie sich massiver anfühlen und schwerer biegen lassen (bloß nicht zu doll verbiegen, koaxiale Wirkung wird an Knickstelle für immer versaut), dann hat man schon ein besseres in der Hand. Kann man dann auch noch sehen, daß das Material der Abschirmung des Kabels aus Kupfer besteht, dann sofort besorgen.
Zur Kabellänge:
Man geht von der 1/4-Lambda (ein Viertel der Wellenlänge) aus,
egal, ob man eine 1/4-Lambda-Antenne,
eine 1/2-Lambda-Antenne oder eine 5/8-Lambda-Antenne verwendet.
Alle anderen Antennen mit Bezeichnungen über 5/8, wie 7/8 oder gar 9/8, sind sog. aufgestockte Antennen. Eine 7/8-Lambda ist z. B. eine 1/2-Lambda mit aufgesetzter 1/4-Lambda.
Technisch funktionieren nur 1/4-Lambda (darunter geht nix), 1/2-Lambda und 5/8-Lambda. Egal ob Richtantennen oder Rundstrahler. Eine Ausnahme ist der Vollwellendipol (Langdrahtantennen).
Gleichzeitig muß man die größte Wellenlänge berücksichtigen, ausgehend von der Mittenfrequenz (Durchschnitt aller Frequenzen eines Bandes). In unserem Fall ist das das 4m-Band. Die Raumwellen dieser Frequenzen haben eine Länge von 4 Metern.
Daher spricht man auch vom 4m-Band. Ein Viertel davon beträgt 1 Meter. Lambda = Wellenlänge.
1/4-Lambda = 1/4 der Wellenlänge.
Folgende Formel gilt für die Kabellänge:
1/4 der Wellenlänge + 1m Aufschlag = 1 Einheit.
Für das 4m-Band beträgt eine Einheit der Kabellänge
2 Meter. Wenn der Scanner sich z. B. 9 Meter von der Antenne entfernt befindet, benötigt man 5 Einheiten, gleich 10 Meter. Man darf diese Einheiten nicht kürzen oder verlängern, es sei denn, man zieht komplette Einheiten zu oder ab. Für den Empfang im 2m-Band kann jetzt die gleiche Länge verwendet werden. Warum?
Die Länge beträgt jetzt 1/2-Lambda des 2m-Bandes.
Diese Länge ist teilbar in zwei Viertel.
1/4 + 1/4 = 1/2. 1/2 : 2 = 2/4
Man verwendet so für das 2m-Band die doppelte Lambda
Länge (50cm plus 50cm) sowie 1 Meter an Aufschlag.
Auch der Dämpfungsverlust bleibt Minimal.
Zur Antenne:
Eine Antenne ist ein Transformator. Sie transformiert
elektrische Leitungswellen in magnetische Raumwellen beim Senden und magnetische Raumwellen in elektrische Leitungswellen beim Empfang (daher auch der Begriff elektro-magnetische Wellen).
Ein Sender speißt seine abgegeben Sendeenergie, auf die
die auszusendenden Informationen aufmoduliert werden (egal mit welchem Verfahren und mit welchen Betriebsarten auch immer) in das Antennkabel. Dort wird diese Sendeenergie weitergeleitet.
Zwischen dem Innenleiter und der Abschirmung bildet sich koaxial zur Mitte eine Leitungswelle (daher auch der Name Koaxkabel). Der Innenleiter ist daher mit diesem halbtransparenten, milchigem Material umgeben. Es ermöglicht der Leitungswelle ungehindert strömen zu können. Daher darf das Kabel auch nicht zu stark
gebogen werden (der sog. Biegeradius gibt an, inwieweit das Kabel gebogen werden darf ohne es in seiner Wirkung zu beeinträchtigen).
In der Antenne kommt nun die Leitungswelle an und wird am Schnittpunkt 1/2-Lambda zur Raumwelle transformiert und abgestrahlt. Die Raumwelle breitet sich aus. Einmal als Raumwelle und einmal als Bodenwelle. Für den Empfang gilt nun die umgekehrte Reihenfolge.
Eine 1/4-Lambda-Antenne hat, technisch gesehen, einen
Antennenstrahler, der eine zu kurze elektrische Länge und damit auch eine zu kurze mechanische Länge aufweist. Das ist aber kein Problem, da die Antenne dieses selbst löst. Um nun als 1/2-Lambda arbeiten zu können (damit sie auch den Schnittpunkt für die Abstrahlung erreicht), muß sie ihre eigene elektrische
Länge verdoppeln. Dies erreicht sie nun dadurch, das sie ihre elektrische Ausgangslänge im und per elektrischem Gegengewicht (Masse) spiegelt. Deswegen bezeichnet man auch das Gegengewicht als die Abstrahlungsfläche. Dies funktioniert bereits einwandfrei, wenn das Gegengewicht 1/4-Lambda beträgt. Da wir aber nun über einen größeren und auch unterschiedlichen Frequenzbereich arbeiten, müssen wir der Antenne es ermöglichen, sich besser auf die
Mittenfrequenzen einzuspiegeln, also anpassen zu können. Wir erhöhen einfach die mechanische Größe des elektrischen Gegengewichtes. Man erhält mehr Masse und eine größere Abstrahlfläche. Sie wird damit
Breitbandiger. Aber nicht zu stark. Für den Empfang im 2m-Band und 4m-Band bleibt sie, gemessen am Frequenzspektrum eines Scanners, schmalbandig.
Das Stehwellenverhältnis - VSWR - also das Verhältnis
von vorlaufender Sendeleistung zu rücklaufender Sendeleistung ist im gesammten Frequenzbereich akzeptabel, also ohne hohe Verluste. Das VSWR ist auch für den Empfang wichtig. Ist das VSWR (Stehwellenverhältnis) schlecht, leidet nicht nur die Endstufe des Senders und man sendet mit weniger Leistung, da an der Antennespitze nicht mehr viel Energie ankommt (PEP ist die Maßeinheit dafür,
bei 6 Watt Sendeleistung kann also bei einem schlechten
VSWR-Wert vielleicht nur noch unter 2 Watt PEP an der
Strahlerspitze ankommen), auch der Empfang leidet.
In unserem Bereich ist sie Breitbandig. Das heißt, sie
arbeitet auf allen 2m-Frequenzen und 4m-Frequenzen
einwandfrei, bedient die gesamten Breiten beider Bänder.
Da wir uns nur auf den Empfang beschränken, sollte man der 1/4-Lambda-Antenne den Vorzug geben, egal ob als Groundplane oder Sperrtopf. Das sollte sie sein. Warum?
Sie nutzt besser als jede andere Antenne die Bodenwelle aus. Das ist vor allem auch für die Dekodierung von FMS-Telegrammen im Gleichwellenfunk wichtig, da dort, bedingt durch die technischen Voraussetzungen des Gleichwellenfunks, zwischen
den einzelnen Umsetzern Schwankungen im Bereich der
Empfandsfeldstärke der Raumwellen eintreten. Nicht aber im Bereich der Bodenwellen, die ja auch von allen Umsetzern (Relaisfunkstellen) bei der Sendung mit abgestrahlt werden.
Eine 1/4-Lambda-Antenne weißt einen Gewinn von 0dB auf.
Eine 1/2-Lambda-Antenne 0,5dB bis 2dB
Eine 5/8-Lambda-Antenne 3dB und mehr.
Je nach technischen Eigenschaften der Scanner können Antennen mit Gewinn Störeinflüsse, Geisterstationen, Frequenzmüll, durch ihre Signalverstärkende Wirkung hochziehen. Trennschärfe (Nachbarkanalselektion) und Großsignalverhalten der Scanner werden beeinträchtigt. Bei der Aufbereitung der Zwischenfrequenzen (ZF) können die vom Scanner immer produzierten Eigenstörfrequenzen ("Birdies", "Pfeifstellen")
unter Umständen nicht mehr sauber ausgefiltert werden.
Erst recht bei Scannern mit nur zweifacher
ZF-Aufbereitung, sog. Doppel-Super. Aus genau denselben Gründen sollte man vorsichtig sein mit Aktivantenne und Antennenverstärkern.
Das Ziel eines vom Hersteller beworbenen besseren und sauberen Empfangs kann genau in die andere Richtung gehen: schlechter als vorher. Passive Antenne und gute Antennenkabel sind einfach sinnvoller. In erster Linie haben wir doch den lokalen Empfang. Zudem noch in einem Frequenzbereich, der für die Langstrecke gar nicht vorgesehen ist. Für einen Umkreis von hauptsächlich max. 50km ist eine Verwendung von
Aktivantennen und Antennenverstärkern nicht sinnvoll, weil sie für diese Entfernung nicht gebraucht werden.
Auch will man doch in erster Linie die eigenen Truppen
hören. Ich kann neben den Stationen in Hannover auch
einwandfrei die aus dem Landkreis Hanover hören. Celle,
Schaumburg und Verden a. d. Aller auch. Aber informiert sein will ich nur über Hannover. Der Landkreis interessiert mich dabei in erster Linie nur in der gegenseitigen nachbarschaftlichen Hilfe der BOS. Und den meisten von Euch geht das doch genauso, oder?
Zusatz:
Bei Unterschreitung aller angegebenen Werte ändern sich die Welligkeiten, was dann zu einem schlechteren Empfang führt.
Zum Empfang:
Das Ausbreitungsverhalten der Raumwellen von UKW-Frequenzen ist Quasi-Optisch. Das bedeutet, das sich die Raumwellen wie Licht ausbreiten. Und das fast mit Lichtgeschwindigkeit. Jede topographische Erhebenheit kann nun dazu führen, daß das Signal entweder durch Zerstreuung oder durch Reflexion nicht mehr hintern Berg kommt. Das gilt auch bei Regen und Nässe.
An den nassen Blättern von Bäumen, Sträuchern und Büschen wird das Signal zerstreut und reflektiert, manchmal sogar sehr stark. Hohe Gebäude können einen Empfang stark beeinträchtigen oder gar verhindern. Ein erhöhter Standort der Antenne ist daher besser. Wenn man dagegen nur die lokalen Stationen empfangen will, dann braucht die Antenne keinen hohen Standort, sie sollte allerdings möglichst freistehend aufgebaut werden, also in ihrer näheren Umgebung sollte sie
nicht verdeckt und damit abgeschirmt werden. So haben die Raumwellen und die Bodenwellen gute Chancen von der Antenne auch geschluckt zu werden.
Tschau
Michael